Eoasanderportal

Baustelle BerlinEnde der 20er Jahre stellte der Schriftsteller und Flaneur Franz Hessel Überlegungen zum Berliner Schloss an: „Wir fahren um die Ecke und halten vor dem Eosanderportal. Hier zwingt der Erklärer unsere Blicke, statt sie auf diesem barock gesteigerten Severusbogen von Berlin zu lassen, hinüber zu den Steinfalten, Allegorien, trophäenraffenden Löwen und Umbauten des Begasschen Nationaldenkmals für Kaiser Wilhelm I., … und er behauptet, das Portal und darüber die Kuppel der Kapelle komme erst recht zur Geltung, seit das Nationaldenkmal die alten Gebäude der Schlossfreiheit verdrängt habe. Da kann man anderer Meinung sein und sich nach dem bescheiden gedrängten Holz- und Mauerwerk zurücksehnen, wie man es auf alten Stichen sieht. … Unter dem Portal ist der Eingang in das Schlossmuseum. Im Erdgeschoss und einem Teil des ersten Obergeschosses ist seit einigen Jahren Kunstgewerbe untergebracht. Es ist ja noch nicht lange her, da wohnten hier die letzten von der Familie, der man dies Schloss gebaut hat. Wir haben sie noch herausfahren sehn aus den Portalen und auf dem Balkon stehen , von dem aus sie zu dem Volk sprechen konnten. Nun sind alle Räume des Riesenbaus Museum geworden. Außer den richtig zu Museumszwecken eingerichteten Räumen kann man nun auch die andern, die Königskammern und Repräsentationsräume und sogar die historischen Wohnräume jederzeit besichtigen. Meistens ist leider ein Führer dabei. Es wird einem nicht leicht gemacht, Schlösser anzusehn.“ (aus: Hessel, Franz (1984): Ein Flaneur in Berlin. Berlin Bibliothek Berliner Zeitung. Sonderausgabe. S. 64)

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